Der Maler und seine Schwester Teil I

Mai 5th, 2008

„Pedraigh, beeil Dich! Sie könnten jeden Moment zurück kommen und wenn sie uns erwischen, dann …“ Nervös kaute die Rothaarige auf ihrer Unterlippe herum und warf immer wieder unruhige Blicke in den dunklen Hausflur hinaus, welcher lediglich von dem Laternenlicht ein wenig erhellt wurde, das draussen vor dem Haus den Gehweg beleuchtete. Schwere, rustikale Möbel verrieten den Wohlstand derjeniger, welche dieses Haus bewohnten oder liessen ihn zumindest erahnen, denn bei diesem Licht waren sie nicht sehr viel mehr denn dunkle, eckige Flecken in einem übersichtlichen Gang. Viel zu viel Zeit hatten sie schon vergeudet und sie neigte dazu hastig zu werden, wenn sie das Gefühl hatte, in Bedrängnis zu geraten. “Wir könnten längst wieder über der Mauer sein.“ murmelte sie missmutig und verengte dabei den Griff ihrer Finger, mit welchen sie das scharfe Messer fest hielt, gerade so, als würde ihr diese Geste die bemängelte Zeit verschaffen. Es war nicht das erste Mal und es würde nicht das letzte Mal bleiben, dennoch war sie stets sehr froh, wenn sie es hinter sich hatten und sich über die Beute freuen konnten. Vorfreude aber, das empfand sie nicht. Der Gedanke an den drohenden Galgen war zu lebendig, seit es vor zwei Monaten ihren Komplizen erwischt hatte, so dass sie nun nur noch zu zweit waren. “Hast Du mal einen Blick auf die Technik geworfen?“ Die Stimme oder viel mehr die Worte ihres Begleiters liessen sie aprupt herum fahren und sie warf ihm einen ungläubigen, gleichermassen jedoch auch ärgerlichen Blick zu, den er lediglich mit einem kurzen Grinsen erwiderte, nur um dann auf ein Bild zu deuten, welches an der Schlafzimmerwand hing.

 

Erinnerung an den Galgen

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