Erinnerungen an den Bogenschützen
Montag, Januar 28th, 2008
An einem grauen Herbstmorgen erinnerte sie sich wieder an das Gefühl, in seinen Armen zu liegen und auf einmal wurde ihr kalt. ”Ja.” war ihr letztes Wort an ihn gewesen. ”Wars das?” seine letzte Frage an sie. Nur ein einziges Mal noch hatten sie miteinander gesprochen, damals als er sie wissen liess, dass er ihren gemeinsamen Sohn anerkennen würde. Und das lag inzwischen neunzehn Jahre zurück. Neunzehn Jahre. Unglaublich, dass sie sich noch an seine Stimme erinnerte und auch an seinen Blick. Und daran, wie sehr sie ihn geliebt hatte. Gleichmässiger Atem erklang neben ihr. Ihr Gemahl schlief tief und fest, ahnte nicht, wie sehr sie um die Vergangenheit trauerte, die sie mit einem anderen teilte. Ein Jahr nur war es gewesen, dafür ein intensives, eines, das sie selbst heute noch nicht los liess. Irgendwann einmal, da hatte sie Aidan geschrieben, den Brief dann aber zerrissen, statt ihn in die Hand eines Boten zu geben. Die Zeit verging zu schnell. Ihr gemeinsamer Sohn hatte inzwischen selbst eine Familie und dass es Aidan’s Sohn war, war nicht zu übersehen. Ihr Gemahl hatte von Anfang an gewusst, dass es nicht sein leiblicher Sohn war und dennoch hatte er ihn großgezogen, wie seinen eigenen. Aber manchmal liess sich die wahre Herkunft eben nicht leugnen und an manchen Tagen tat es weh, dass Baetan seinem Vater so ähnlich war. Ihre Bettdecke raschelte, als sie sich aufsetzte. Es war ohnehin bald Zeit, um das Frühstück vorzubereiten. Mit einem seltsamen Gefühl im Magen dachte sie daran, dass Martainn in einer Woche heiraten würde und dort, auf dieser Hochzeit, würde sie Aidan wieder sehen. Ob er inzwischen von Sevin wusste? Camea hatte es ihm sicherlich erzählt.


