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Archive for the ‘Hochzeitstag’ Category

Hochzeitstag Teil VII

Montag, März 24th, 2008

Wäre da nicht der junge Mann gewesen, dessen Hand auf der Schulter der Frau lag. Hochgewachsen war er, das Haar so dunkel, dass es fast schon schwarz war und in langen Strähnen fiel es ihm offen über die Schultern. Ein Spiegelbild, das einen jüngeren Aidan zeigte, von weitem hätte man sie sogar leicht verwechseln können. Der Verdacht lag nahe, dass es einer der Brüder von Aidan war. Allerdings würde Phemia recht schnell bewusst werden, dass sie die anderen Brüder alle kennen gelernt hatte und Martainn und Aidan waren die einzigen, die ihr Haar so lang trugen. Wer also war dieser junge Mann? Und dann, als ihr die Antwort in die Gedanken schlich, sah sie sie. Im Halbdunkel stand sie da, abseits, und beobachtete ernsten Blickes, was um den Säugling herum geschah. Vom Schatten halb verborgen konnte man dennoch ein ebenmässiges und schönes Gesicht erkennen, langes braunes und glattes Haar, braune Augen und ein hübscher Mund. Zierlich war sie, diese Frau. Und irgendwie wirkte sie verletzt. Ein paar Worte nur waren es, die der Waldläufer mit der jungen Frau, die den Säugling hielt, wechselte. Und dem jungen Mann dahinter nickte er zu, fast knapp schon, ehe er sich von dem Paar abwandte. Und wie zufällig schlug er die Richtung ein, in welcher Phemia (der anders als sein Neffe Viagra aussah) stand. Neugierig mochte deren Blick wohl sein. Und wenn sie zu der Frau sah, welche im Halbdunkel stand, dann würden sich die Blicke kurz treffen.

Wer versteckt sich da?

Hochzeitstag Teil VI

Montag, März 10th, 2008

Die Stunde war gut voran geschritten und viele hatten bereits schon das Fest verlassen. Die Menschen hier wussten zu feiern, aber das änderte nichts daran, dass bei manchen die Pflicht eben stärker war. Allerdings waren es gerade die Verwandten, welche standhaft blieben, es war abzusehen, dass am nächsten Tag abgesehen von dem Rauschen der Wasserfälle Totenstille in Parlussan herrschen würde, da alle sich ausschlafen und erholen musste. Phemia fand wohl, dass die Zeit ohne Aidan nun schon wieder zu lange war, schließlich hatte sie doch gerade erst eine ganze Woche auf ihn verzichten müssen. Und jetzt war es auch etwas einfacher, nach ihm Ausschau zu halten. Und schließlich fand sie ihn auch. Aber ob sie das Bild, welches sich ihr bot, mochte? Etwas abseits stand er und vor ihm eine nervös lächelnde, junge Frau. Hellbraunes Haar hatte sie, kunstvoll zu Zöpfen geflochten war es und mit Blumen geschmückt. Auf ihren Armen trug sie einen schlafenden Säugling, viel älter als ein paar Monate war er nicht. Das Fest störte das Kind nicht in seiner Ruhe, die Kinder gehörten zu einer Hochzeit eben dazu und manche von ihnen freuten sich schon das ganze Jahr darauf, endlich einmal eine ganze Nacht aufbleiben zu dürfen. Sanft strich Aidan’s Hand über das Haupt des Säuglings, sein Blick dabei konnte von Phemia’s Warte aus jedoch nicht gedeutet werden. Ob das leichte Lächeln nur eine Einbildung war? Erst mochte sie wohl rätseln, wer diese junge Frau wohl war und eigentlich war das auch gar nicht so interessant.

 

Baby

Hochzeitstag Teil V

Montag, Februar 25th, 2008

Rosen

 

War es nicht zu erwarten gewesen, dass er nicht die ganze Zeit an der Seite seiner Gefährtin zu finden sein würde? Ein Umstand, der Verständnis verlangte. Und Geduld. Aber das Wissen, dass dies eine fast einmalige Gelegenheit für Aidan war, sich mit ein paar der Anwesenden unter vier Augen zu unterhalten, machte es womöglich einfacher, auf seine Anwesenheit zu verzichten. Und auch um Drusilla kümmerte ich, schließlich war sie nicht nur Martainn’s Hochzeitsgast, sondern in erster Linie seine Bekannte. Dass Phemia in diesen Momenten jedoch nicht von seiner Seite wich, nahm er mit einem gutmütigen Schmunzeln zur Kenntnis. Er empfand Stolz. Er hatte sich schon in ihm geregt, noch bevor die Hochzeitsgefährten des Bräutigams zu singen begannen und er ließ ihn nicht los. Und dann, als er die Spitzen seiner Pfeile in die Flammen hielt, auf dass sie selber brannten und die Freudenfeuer entzündeten, fühlte er sogar eine eigenartige Rührung, die nur ein liebender Bruder ihm nachempfinden konnte. Ja, er war stolz auf Martainn und er erzählte Phemia davon. Und irgendwann verlor sie ihn dann aus den Augen. Bestimmt zwei Stunden waren vergangen, seit sie ihn das letzte Mal neben sich gehabt hatte, aber die Zeit verging schnell, denn alleine war sie deswegen dennoch ganz und gar nicht. Immer wieder kam jemand zu ihr und redete mit ihr und selbst sie kannte inzwischen viele Gesichter und gerade Camea’s Freundinnen, mit denen sie genäht hatte, kümmerten sich rührend um Phemia. Sie wurde Verwandten, Bekannten und Freunden vorgestellt, lernte den strengen, dennoch aber freundlichen Vater Aidan’s kennen und auch seine Mutter, die liebliche Lianra, deren Lächeln immer ein wenig geheimnisvoll wirkt. Ein würdevolles Paar, dessen Haar ob der vielen Jahre des Lebens schlohweiß geworden ist. Und ein Elternpaar, das Glück empfindet.

Hochzeitstag Teil IV

Montag, Februar 11th, 2008

Die Feier dauerte schon lange an, offiziell werden konnte sie jedoch erst, wenn die Ehe auch vollzogen war. Und so brachte man das Brautpaar zu ihrem Haus und sperrte sie ins Schlafzimmer, vor dessen Tür die Zeugen warteten, wie es sich gehörte. Irgendwann einmal vor grauen Zeiten war es nötig gewesen, dass die engsten Familienmitglieder beider Seiten darüber wachten, dass die Ehe wirklich zustande kam. Doch inzwischen war es oft kaum mehr als eine Tradition, der zwar anständig gefolgt wurde, die man jedoch nicht ganz so ernst nahm. Und bereits auf dem Weg zum Schlafzimmer hatte Liarg, Camea‘s älterer und unverheirateter Bruder gescherzt, dass man sich diesen Teil eigentlich sparen konnte, denn Camea würde niemals einen Mann ehelichen, den sie nicht ausgiebig getestet hatte. Mit einem Lachen hatte die Braut nach ihm geschlagen. Mehr als Tradition war dieses ins Schlafzimmer sperren nicht, denn obwohl Camea wirklich versucht war, ihren frischgebackenen Ehemann hier und jetzt anzufallen, musste es bei einem Kuss bleiben, von dem sie beide sich nur widerwillig lösten. Zu sehr zwangen die hörbaren Drusen vor ihrer Tür die beiden zum Lachen und schließlich zog Martainn die Tür wieder auf und zog seine Hose beim rausgehen betont und nachdrücklich zurecht. “So, wir können endlich die Bier- und Metvorräte vernichten.“ sagte er und jemand aus der Gruppe meinte kichernd “Das ging aber schnell.“ Doch noch bevor Camea etwas kommentieren konnte, kam auch schon die Schlagseite von Aidan verabreicht. “Der hat sich sogar noch Zeit gelassen.“ Schallendes Gelächter von allen Seiten trug deutlich die gelöste Stimmung zu Tage und mit einem blossen Fingerdrohen kam Aidan davon, als sich die Versammlung aus dem Haus und vor das Haus bewegte. Und jetzt, da die Ehe offiziell war, die Traditionen gewahrt, ging die Feier erst richtig los.

 

Die Feier ging bis spät in den nächsten Tag hinein

Hochzeitstag Teil III

Montag, Januar 28th, 2008

Nein, Moment. Martainn würde heiraten. Der Mann, der ihr früher einmal ganz deutlich erklärt hatte, dass er niemals wieder heiraten würde. Ihren Anfang eines leisen Kicherns bedachte der Abgesandte mit einem mild tadelnden Blick, dann fuhr er mit der Zeremonie fort, welche feierlich war, dennoch aber auch recht kurz. Still war es in der Siedlung und jeder konnte die Worte des Abgesandten hören. Und auch die Hochzeitsschwüre, welche Camea und Martainn tauschten, als sie sich die kleinen Brautgeschenke gaben. Geschenke, die geheim waren und von denen nicht einmal die engsten Freunde wussten, was es war. Und schließlich, als dem Brautpaar die Ringe gereicht wurden, erhob der Abgesandte des Herzogs die Stimme, richtete sie an das versammelte Volk und fragte: “Bezeugt Ihr den freien Bund dieser Eheleute?“ Das anschliessende “Ja!“ der versammelten Menge war wie ein Kanonenschlag. Befreiend platzte die Anspannung mit dem verbürgten Ritus und ein Jubeln und Johlen wurde daraus. Endlich konnte Camea ihrem hemmungslosen Kichern nachkommen, als man sie und Martainn von dem Podest hob und in Richtung ihres Hauses trug. Und während sie lachte und sich freute, konnte sie die Feuer sehen. Zu zweit waren sie. Arrin und sein Erstgeborener, Aidan. Selbst zu dieser Feier trugen sie beide Waidmannkluft, wenn auch sehr fein gearbeitete, so dass sie diesem Anlass durchaus gerecht wurde. Hinter dem Podest standen sie, die Bögen in ihren Händen und vor lagen Pfeile, nach denen sie griffen, um die präparierten Spitzen in eine Feuerschale zu halten, ehe sie den Pfeil auf die Sehne legten und in die Luft schossen. Aufgeschichtete Holzstapel, höher noch als die beiden Männer zusammen, waren das Ziel und keiner der Pfeile verfehlte es. Der erste Stapel begann zu brennen, der zweite und dann der dritte und sogleich machten sich die alten Frauen daran, den hochsteigenden Rauch zu deuten, denn traditionsgemäß lag in ihm die Zukunft des Brautpaares.

 

Feuer zur Deutung