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Archive for the ‘Es darf nicht sein’ Category

Es darf nicht sein Teil III

Montag, Juli 28th, 2008

Die Krise im Süden Curanbars schien immer grössere Ausmasse anzunehmen, trotzdem geschah nichts und er bemerkte, wie sehr sich seine Hände nach den Griffen seiner Säbel sehnten. Flaccitheus setzte auf Diplomatie und Zeit, vergeudete das Leben von Fischern und Bauern, indem er immer wieder neue Gründe fand, nicht gegen das Fürstentum Sull vorzugehen. Er hatte das Denken seines Vaters schon lange abgelegt und im Gegensatz zum Vorsitzenden des Schattenrates sah er das einfache Volk als das Fundament eines Landes. Seines Landes. Oft genug hatte er sich gesagt, dass er das alles gar nicht anstrebe und nun wollte die Ruhe nicht mehr einkehren, die diese Selbstlüge sonst immer mit sich gebracht hatte. Es roch nach Krieg und selbst hier, weit von den betroffenen Grenzen entfernt, spürte er, wie sich etwas aufbaute. Ein Blick zur Seite streifte das Antlitz der jungen Preaken und während sie dies als Anlass dafür nahm, sich näher an ihn zu drängen und ihm abermals einen kleinen Kuss auf die Wange zu legen, kam er zum Schluss, dass es letztlich doch eine sinnvolle Entscheidung war, ihrer Verbindung mit Baglan zuzustimmen. In der Hoffnung des Ostwächters hatte es gelegen, durch eine Verbindung zwischen Lyessa und ihm die Hilfe des Hohen Nordens zu erzwingen. Das Neunstromland brachte zwar keine Königin hervor, dennoch, der Norden würde handeln und die Heimat seiner neuen Herrin beschützen. Nur würde es nicht der Schattenrat sein, welcher den Befehl dazu erteilte. Einen Schattenrat würde es noch nicht einmal mehr geben, wenn die Truppen gen Süden geführt wurden. Es drängte ihn zu gehen. Es drängte ihn zu handeln. Und trotz allem gab es als er sie zu sich zog um sie zu küssen nur das Wissen, dass es ihm tatsächlich fehlen würde, sie dabei zu beobachten, wie sie las.

 

Fernweh

Es darf nicht sein Teil II

Montag, Juli 14th, 2008

Ihrem leisen Seufzen jedoch schenkte er gerne Aufmerksamkeit und mit einem inneren Schmunzeln stellte er fest, dass sie nur deswegen noch einigermaßen sicher auf ihren Beinen stand, weil er sie noch immer fest hielt. Es war ein Fehler, für sie beide. Es war ihm so herzlich egal. Mit seinen Fingerspitzen strich er einzelne Strähnen ihres braunen Haares nach und kam ihrem Blick dabei entgegen, seine andere Hand löste sich nur widerwillig von ihrer Hüfte und ein Rascheln verriet ihm, dass der Stoff ihres Kleides wieder über ihre Beine fiel. Vermutlich berührte der Saum den trockenen Boden. Er hielt es gerne mit dem Schweigen, so auch auf dem Weg zurück. Dennoch, so lange sie keine der Wachen Rhiwallon Manors zu erwarten hatten, hielt er sie mit einem Arm um ihre Taille bei sich, als sie auch das letzte Stück des Weges zu Fuß gingen. So gut es ihm die Dunkelheit erlaubte sah er zu, wie sie die letzte Erdbeere aß und auch wenn er es nicht wirklich sehen konnte, er wusste, wie sie dabei aussah. Sie würde die Augen schließen, ein leichtes Lächeln würde auf ihren Lippen liegen und den Genuss dieser süßen Frucht, den würde sie so lange es nur ging ausreizen. Vor beinahe zwei Stunden hatte ihm genau dieser Anblick klar gemacht, dass ihre gemeinsame Nacht keine Ausnahme bleiben würde. So wie die Dinge lagen, war es sehr wahrscheinlich, dass er nicht bis zum Herbst auf Rhiwallon Manor blieb.

 

Erdbeeren - was für ein Genuß

Es darf nicht sein Teil I

Montag, Juni 30th, 2008

Sternkarte

 

Der Gedanke an die Sternkarten holte ihn fort von hier und erinnerte ihn an seine eigene Aussage, dass ein Navigator die markanten Punkte des Himmels auf der Karte nicht wieder finden würde, da sie hoffnungslos in der Leidenschaft zum Detail untergingen. Allerdings musste er zugeben, dass er letztlich wohl doch eher von seiner Warte aus sprach, denn Sternkarten empfand er schon als unübersichtlich, als er noch auf See seinen Dienst leistete. Fünfzehn oder sechzehn Jahre mochte er alt gewesen sein und er hatte sich bereits schon einen großen Namen gemacht, war längst bei der Schattengarde und zwei Jahre später wurde er zu deren Kommandant ernannt. Aber selbst wenn er schon früher derjenige gewesen wäre, der die Befehlsgewalt inne hatte, auf hoher See erteilten sie andere. So hatte er als einfacher Matrose das Deck des Schiffes geschrubbt, auf welchem er diente, half in der Kombüse Kartoffeln schälen, kletterte in der Takelage herum und schrie Occis entgegen, wenn der Sturm über die Reling peitschte. Es war ein großartiges Jahr gewesen. Und vermutlich ahnte niemand, wie überaus froh er gewesen war, endlich wieder dauerhaft festen Boden unter den Füssen zu haben. Er war bei ihr, gleichzeitig jedoch war er es auch nicht. Seine Gedanken standen selten still und sie kreisten meist um vieles und nicht nur um eine einzige Angelegenheit allein. Er hatte sich diese Art angewöhnen müssen, zu vieles gab es zu bedenken, vor allen Dingen dann, wenn man ein Mann der Tat war und keiner, der nur delegierte.