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Archive for the ‘Der Maler und seine Schwester’ Category

Der Maler und seine Schwester Teil III

Montag, Juni 2nd, 2008

Ein Klimpern begleitete seine sorgsamen Finger, welche den Rahmen nach einer Falle absuchten, es wäre nicht das erste Mal, dass ein Bild mit einer solchen gesichert war. Jedoch stammte das Klimpern nicht etwa von ihm, sondern von den Münzen, welche eiligst der Handelskasse entnommen wurden. Der Ärger des Hausherren würde gross sein, so viel stand fest. Wie grosse Ausmasse er wirklich annehmen würde, das ahnte die Rothaarige jedoch erst als sie sah, dass Pedraigh das delikate Bild von der Wand abnahm und einen Sack darüber stülpte. “Bei Mask, Du wirst doch nicht …“ Mit einem Finger, den er ihr auf die Lippen legte, brachte er sie zum Schweigen. Hundegebell war von draussen zu hören, die Herrschaften waren also von ihrem spätabendlichen Spaziergang zurück und die junge Frau wurde blass. Im Gegensatz zu ihm machten ihr diese Ausflüge ganz und gar keinen Spass, sie tat es nur, weil es ihr einziger Weg zu überleben war. Und weil es das Einzige war, das sie richtig gut konnte. Aber das Bild, das ging zu weit. Wo sollten sie es verkaufen und vor allen Dingen, es würde auf ihre Spur finden, wenn es erst wieder einmal irgendwo auftauchte. Kein vernünftiger Ehemann duldete es, wenn ein solches Portrait seines Eheweibes abhanden kam und der Herr dieses Hauses würde es gleich noch weniger tun. Aber für eine Standpauke war es nun zu spät, das freudige Hundegebell verriet es und wenn sie über die Mauer kommen wollten, mussten sie weg. Und zwar jetzt.

 

Schaffen sie es noch über die Mauer?

Der Maler und seine Schwester Teil II

Montag, Mai 19th, 2008

Das Motiv zeigte eine sich auf Kissen räkelnde Frau, welche die dreissig Jahre sicherlich schon überschritten hatte und sie war schön. Vor allen Dingen aber war von Bekleidung an ihrem Körper keine Spur und das war etwas, das selbst einen Vagabunden die Luft zwischen den Zähnen hervor stossen liess. Und Pedraigh war begeistert, jedoch verrieten die Fingerspitzen, die über das Gemälde fuhren, dass er viel mehr die Machart, denn das Motiv bewunderte. “Das glaube ich jetzt nicht!“ Mit wenigen Schritten gelangte die Rothaarige zu dem Mann heran, welcher sie um fast einen Kopf überragte und boxte ihm ärgerlich in die Seite. “Bist Du eigentlich vollkommen verrückt geworden? Die werden nicht ewig ausser Haus bleiben und wenn wir erwischt werden, dann sind wir geliefert. Also beeil Dich und beweise, dass Deine Hände zu mehr nutze sind, als sich mit Farbe zu bekleckern!“ Der um einige Jahre ältere Mann, als die Frau es war, rollte lediglich mit den Augen und deutete in einer kurzen Geste auf die offene Kassette, um welche es hier eigentlich ging. “Um meine Hände mach Dir mal keine Sorgen, Schwesterherz.“ Seine Hände waren in der Tat sein Kapital und es gab kein Schloss, das vor ihm sicher war und so hatte ihm auch dieses hier keine Mühe bereitet. Als sich die Rothaarige endlich zufrieden zeigte, machte er sich ein weiteres Mal daran, das Bild näher zu betrachten.

 

Hausflur

Der Maler und seine Schwester Teil I

Montag, Mai 5th, 2008

„Pedraigh, beeil Dich! Sie könnten jeden Moment zurück kommen und wenn sie uns erwischen, dann …“ Nervös kaute die Rothaarige auf ihrer Unterlippe herum und warf immer wieder unruhige Blicke in den dunklen Hausflur hinaus, welcher lediglich von dem Laternenlicht ein wenig erhellt wurde, das draussen vor dem Haus den Gehweg beleuchtete. Schwere, rustikale Möbel verrieten den Wohlstand derjeniger, welche dieses Haus bewohnten oder liessen ihn zumindest erahnen, denn bei diesem Licht waren sie nicht sehr viel mehr denn dunkle, eckige Flecken in einem übersichtlichen Gang. Viel zu viel Zeit hatten sie schon vergeudet und sie neigte dazu hastig zu werden, wenn sie das Gefühl hatte, in Bedrängnis zu geraten. “Wir könnten längst wieder über der Mauer sein.“ murmelte sie missmutig und verengte dabei den Griff ihrer Finger, mit welchen sie das scharfe Messer fest hielt, gerade so, als würde ihr diese Geste die bemängelte Zeit verschaffen. Es war nicht das erste Mal und es würde nicht das letzte Mal bleiben, dennoch war sie stets sehr froh, wenn sie es hinter sich hatten und sich über die Beute freuen konnten. Vorfreude aber, das empfand sie nicht. Der Gedanke an den drohenden Galgen war zu lebendig, seit es vor zwei Monaten ihren Komplizen erwischt hatte, so dass sie nun nur noch zu zweit waren. “Hast Du mal einen Blick auf die Technik geworfen?“ Die Stimme oder viel mehr die Worte ihres Begleiters liessen sie aprupt herum fahren und sie warf ihm einen ungläubigen, gleichermassen jedoch auch ärgerlichen Blick zu, den er lediglich mit einem kurzen Grinsen erwiderte, nur um dann auf ein Bild zu deuten, welches an der Schlafzimmerwand hing.

 

Erinnerung an den Galgen