Der Maler und seine Schwester Teil III
Montag, Juni 2nd, 2008Ein Klimpern begleitete seine sorgsamen Finger, welche den Rahmen nach einer Falle absuchten, es wäre nicht das erste Mal, dass ein Bild mit einer solchen gesichert war. Jedoch stammte das Klimpern nicht etwa von ihm, sondern von den Münzen, welche eiligst der Handelskasse entnommen wurden. Der Ärger des Hausherren würde gross sein, so viel stand fest. Wie grosse Ausmasse er wirklich annehmen würde, das ahnte die Rothaarige jedoch erst als sie sah, dass Pedraigh das delikate Bild von der Wand abnahm und einen Sack darüber stülpte. “Bei Mask, Du wirst doch nicht …“ Mit einem Finger, den er ihr auf die Lippen legte, brachte er sie zum Schweigen. Hundegebell war von draussen zu hören, die Herrschaften waren also von ihrem spätabendlichen Spaziergang zurück und die junge Frau wurde blass. Im Gegensatz zu ihm machten ihr diese Ausflüge ganz und gar keinen Spass, sie tat es nur, weil es ihr einziger Weg zu überleben war. Und weil es das Einzige war, das sie richtig gut konnte. Aber das Bild, das ging zu weit. Wo sollten sie es verkaufen und vor allen Dingen, es würde auf ihre Spur finden, wenn es erst wieder einmal irgendwo auftauchte. Kein vernünftiger Ehemann duldete es, wenn ein solches Portrait seines Eheweibes abhanden kam und der Herr dieses Hauses würde es gleich noch weniger tun. Aber für eine Standpauke war es nun zu spät, das freudige Hundegebell verriet es und wenn sie über die Mauer kommen wollten, mussten sie weg. Und zwar jetzt.


