Auf dem Weg nach Matanzas Teil I

August 11th, 2008

Heimreise

 

Als Gilberta mit Hilfe des Matrosen, dessen Name sie nicht einmal kannte, endlich wieder die Planken des Decks unter ihren Füssen hatte, schnappte sie einen Gesprächsfetzen auf. Zwei andere Mannschaftsmitglieder standen in ihrer Nähe und redeten doch tatsächlich davon, dass die Le Tonnant den Hafen von Matanzas anlaufen würde – und, dass er da wohl jemanden loswerden wollen würde. Gilberta’s Herz begann zu rasen und fast hätte sie nicht geglaubt, was sie da gehört hatte. Ihre Übelkeit war schlagartig vergessen und wie von einer Biene gestochen suchte sie das halbe Schiff nach Hektor ab – und fand ihn dann vor der Kombüse. “Hektor….“ Sie musste Luft holen, ehe sie weiter sprechen konnte. Die Hetzerei über das Schiff forderte ihren Tribut. “Sagtest du nicht, der Kurs geht nach Schottland?“

„Mittlerweile nicht mehr. Wir haben den Kurs geändert – in Richtung Karibik.“

“In die Karibik!“ Gilberta stöhnte ungläubig auf. Ihre Hand glitt zu ihrer Stirn. Tausende Gedanken schossen ihr in den Kopf und sie wusste nicht, ob sie nun lachen oder weinen sollte. Ihre Mutter würde glauben, sie hätte einen Geist vor sich stehen, wenn sie Gilberta nach der langen Zeit endlich wiedersehen würde.

“Wo…..wohin genau?“

Hektor sah sie fast ein wenig besorgt an.

“Erst auf die Insel, dann nach Kuba. Kam ziemlich plötzlich, die Kursänderung. Aber was ich mitbekommen habe, will der Alte was in Matanzas laden lassen.“

Sie war völlig durcheinander. Kuba! Wie lange hatte sie den Boden ihrer Heimat schon nicht mehr betreten? Dabei hatte sie schon aufgehört daran zu glauben, dass sie in den nächsten Jahren je wieder in diese Gegend geraten würde. Aufgebracht wie sie war, hörte sie Hektor nicht richtig zu. Einzig das Wort „Matanzas“ drang schmerzlich in sie. “Matanzas also“ gab sie gepresst von sich.

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