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Archive for 2008

Der Eindruck des Malers Teil II

Montag, April 21st, 2008

Und dann fiel ihm die Lösung seines Problems unerwartet schnell ins Auge und beinahe hätte er deswegen gelacht. Auf einem kleinen Flurtisch lagen ein paar Kleidungsstücke, dazu ein Nadelkissen, dessen Stacheln stählern glänzten. Dieses nahm er nun an sich und legte die Mappe auf den Kleidungsstücken ab, nahm Zeichnung um Zeichnung heraus und es waren gute zwei Dutzend, welche er über den ganzen Flur verteilt an die Wand legte, ehe er die Ecken mit den Nadelspitzen durchstach, so dass das Pergament daran hängen blieb. Sie wollte das Bild nicht. Die Stunden, die Tage…. die Monate, in welchen er vor sich hin gebrütet hatte, versucht hatte zu sehen, ohne, dass ihm etwas gezeigt wurde, hatte sie mit einem einzigen Satz zunichte gemacht und ihm war, als hätte sie ihn mit Füssen getreten. Dabei ging es doch gar nicht um ihn, sondern um das, was er geschaffen hatte. Sie hätte darüber hinweg sehen müssen, dass sie ihn verabscheute, davon zumindest war er überzeugt. Er hatte trotz seiner Trunkenheit den Blick gesehen, mit welchem sie das Gemälde bedacht hatte. Und sie hatte sein Geschenk abgelehnt. Er konnte es einfach nicht auf sich sitzen lassen. Diese ganze Kette von Missverständnissen, das Aufeinandertreffen verschiedener Mentalitäten, diese blasierte Höflichkeit, welche die Schuhspitze tarnte, mit welcher sie ihn in die Erde drückte.

 

Skizze des Gemäldes

 

Skizzen des Gemäldes waren es, welche er ihr hier auf diese Art und Weise hinterließ. Nicht wenige davon zeigten im Detail den Ausschnitt, welcher ihr Profil und die bloße Schulter zeigte, von der das weiche Tuch gerutscht war. Nur eine zeigte angedeutet Kornblumen und Mohn, der Fensterbogen war zu sehen, das komplette Bild schemenhaft mit Kohle verewigt, die geflügelten Wesen, immer und immer wieder das Profil, eingerahmt von schwarz fließendem Haar, das doch eigentlich brennendes Kupfer war und diese Schulter, die nackte Haut, bei welcher Tinvalwen es so unangenehm berührt hatte, dass er sie sich so gut vorstellen konnte. Als er fertig war, verrieten nur die helleren Stellen an der Wand sein Werk, aber der neue Tag würde bald anbrechen und dann würden auch andere Schritte wieder durch diesen Flur führen. Vielleicht sogar ihre.

Der Eindruck des Malers Teil I

Montag, April 7th, 2008

Blauschwarze Nacht

 

In mildem Blauschwarz hatte sich die Nacht über das Land gelegt, begleitet von Stille und einem leisen Wind, welcher die Blätter des Waldes rascheln ließ, so dass man an ein fernes Flüstern glauben wollte. Blasses Mondlicht tauchte das Anwesen, auf welchem das Tavernenspital lag, in dunkles Silber, die Fenster spiegelten das ferne Firmament matt und wirkten dabei dennoch wie dunkle Löcher, die in der Hauswand klafften. Seine unfreiwillige Komplizin wartete an der Hauswand und hielt Wache, während er befreit von Gehrock, Schuhen und Strümpfen die Hauswand hoch kletterte und sich Zugang durch ein Fenster verschaffte, das zwar geschlossen war, als er bei diesem ankam, ihn mit seinen diebischen Künsten jedoch nicht aufhalten konnte. Dunkel war der Raum, welchen er nun betrat, jedoch besaß Ped das nötige Gespür dafür, sich an dem unbekannten Ort leise zu bewegen, ohne gegen Einrichtungsgegenstände oder Wände zu stoßen. Und schließlich fand er auch die Tür, welche in einen Flur hinaus führte. Und in Anbetracht der anderen Türen, die von diesem abgingen, wurde dieser sicherlich rege beschritten. Zu diesem Zeitpunkt jedoch war ein Lichtstreifen unter einer der Türen der Einzige Zeuge davon, dass sich außer Ped noch andere, wache Personen in dem Gebäude aufhielten. Ein Problem hatte er dennoch. Er hätte womöglich früher darüber nachdenken sollen, wie sich sein Vorhaben am besten verwirklichen ließ, jedoch war sein Einbruch viel zu spontan gewesen. Angestachelt durch seinen verletzten Künstlerstolz war er überhaupt erst auf den Gedanken gekommen und nun stand er hier in dem Flur und holte die Mappe hervor, welche er unter seine zugeknöpfte Weste geschoben hatte, so dass er sie bei sich tragen konnte und dennoch beide Hände zum klettern frei gehabt hatte.

Hochzeitstag Teil VII

Montag, März 24th, 2008

Wäre da nicht der junge Mann gewesen, dessen Hand auf der Schulter der Frau lag. Hochgewachsen war er, das Haar so dunkel, dass es fast schon schwarz war und in langen Strähnen fiel es ihm offen über die Schultern. Ein Spiegelbild, das einen jüngeren Aidan zeigte, von weitem hätte man sie sogar leicht verwechseln können. Der Verdacht lag nahe, dass es einer der Brüder von Aidan war. Allerdings würde Phemia recht schnell bewusst werden, dass sie die anderen Brüder alle kennen gelernt hatte und Martainn und Aidan waren die einzigen, die ihr Haar so lang trugen. Wer also war dieser junge Mann? Und dann, als ihr die Antwort in die Gedanken schlich, sah sie sie. Im Halbdunkel stand sie da, abseits, und beobachtete ernsten Blickes, was um den Säugling herum geschah. Vom Schatten halb verborgen konnte man dennoch ein ebenmässiges und schönes Gesicht erkennen, langes braunes und glattes Haar, braune Augen und ein hübscher Mund. Zierlich war sie, diese Frau. Und irgendwie wirkte sie verletzt. Ein paar Worte nur waren es, die der Waldläufer mit der jungen Frau, die den Säugling hielt, wechselte. Und dem jungen Mann dahinter nickte er zu, fast knapp schon, ehe er sich von dem Paar abwandte. Neugierig mochte deren Blick wohl sein. Und wenn sie zu der Frau sah, welche im Halbdunkel stand, dann würden sich die Blicke kurz treffen.

Wer versteckt sich da?

Hochzeitstag Teil VI

Montag, März 10th, 2008

Die Stunde war gut voran geschritten und viele hatten bereits schon das Fest verlassen. Die Menschen hier wussten zu feiern, aber das änderte nichts daran, dass bei manchen die Pflicht eben stärker war. Allerdings waren es gerade die Verwandten, welche standhaft blieben, es war abzusehen, dass am nächsten Tag abgesehen von dem Rauschen der Wasserfälle Totenstille in Parlussan herrschen würde, da alle sich ausschlafen und erholen musste. Phemia fand wohl, dass die Zeit ohne Aidan nun schon wieder zu lange war, schließlich hatte sie doch gerade erst eine ganze Woche auf ihn verzichten müssen. Und jetzt war es auch etwas einfacher, nach ihm Ausschau zu halten. Und schließlich fand sie ihn auch. Aber ob sie das Bild, welches sich ihr bot, mochte? Etwas abseits stand er und vor ihm eine nervös lächelnde, junge Frau. Hellbraunes Haar hatte sie, kunstvoll zu Zöpfen geflochten war es und mit Blumen geschmückt. Auf ihren Armen trug sie einen schlafenden Säugling, viel älter als ein paar Monate war er nicht. Das Fest störte das Kind nicht in seiner Ruhe, die Kinder gehörten zu einer Hochzeit eben dazu und manche von ihnen freuten sich schon das ganze Jahr darauf, endlich einmal eine ganze Nacht aufbleiben zu dürfen. Sanft strich Aidan’s Hand über das Haupt des Säuglings, sein Blick dabei konnte von Phemia’s Warte aus jedoch nicht gedeutet werden. Ob das leichte Lächeln nur eine Einbildung war? Erst mochte sie wohl rätseln, wer diese junge Frau wohl war und eigentlich war das auch gar nicht so interessant.

 

Baby

Hochzeitstag Teil V

Montag, Februar 25th, 2008

Rosen

 

War es nicht zu erwarten gewesen, dass er nicht die ganze Zeit an der Seite seiner Gefährtin zu finden sein würde? Ein Umstand, der Verständnis verlangte. Und Geduld. Aber das Wissen, dass dies eine fast einmalige Gelegenheit für Aidan war, sich mit ein paar der Anwesenden unter vier Augen zu unterhalten, machte es womöglich einfacher, auf seine Anwesenheit zu verzichten. Und auch um Drusilla kümmerte ich, schließlich war sie nicht nur Martainn’s Hochzeitsgast, sondern in erster Linie seine Bekannte. Dass Phemia in diesen Momenten jedoch nicht von seiner Seite wich, nahm er mit einem gutmütigen Schmunzeln zur Kenntnis. Er empfand Stolz. Er hatte sich schon in ihm geregt, noch bevor die Hochzeitsgefährten des Bräutigams zu singen begannen und er ließ ihn nicht los. Und dann, als er die Spitzen seiner Pfeile in die Flammen hielt, auf dass sie selber brannten und die Freudenfeuer entzündeten, fühlte er sogar eine eigenartige Rührung, die nur ein liebender Bruder ihm nachempfinden konnte. Ja, er war stolz auf Martainn und er erzählte Phemia davon. Und irgendwann verlor sie ihn dann aus den Augen. Bestimmt zwei Stunden waren vergangen, seit sie ihn das letzte Mal neben sich gehabt hatte, aber die Zeit verging schnell, denn alleine war sie deswegen dennoch ganz und gar nicht. Immer wieder kam jemand zu ihr und redete mit ihr und selbst sie kannte inzwischen viele Gesichter und gerade Camea’s Freundinnen, mit denen sie genäht hatte, kümmerten sich rührend um Phemia. Sie wurde Verwandten, Bekannten und Freunden vorgestellt, lernte den strengen, dennoch aber freundlichen Vater Aidan’s kennen und auch seine Mutter, die liebliche Lianra, deren Lächeln immer ein wenig geheimnisvoll wirkt. Ein würdevolles Paar, dessen Haar ob der vielen Jahre des Lebens schlohweiß geworden ist. Und ein Elternpaar, das Glück empfindet.