Home » 2008 » 2008 » Januar

Archive for Januar, 2008

Hochzeitstag Teil III

Montag, Januar 28th, 2008

Nein, Moment. Martainn würde heiraten. Der Mann, der ihr früher einmal ganz deutlich erklärt hatte, dass er niemals wieder heiraten würde. Ihren Anfang eines leisen Kicherns bedachte der Abgesandte mit einem mild tadelnden Blick, dann fuhr er mit der Zeremonie fort, welche feierlich war, dennoch aber auch recht kurz. Still war es in der Siedlung und jeder konnte die Worte des Abgesandten hören. Und auch die Hochzeitsschwüre, welche Camea und Martainn tauschten, als sie sich die kleinen Brautgeschenke gaben. Geschenke, die geheim waren und von denen nicht einmal die engsten Freunde wussten, was es war. Und schließlich, als dem Brautpaar die Ringe gereicht wurden, erhob der Abgesandte des Herzogs die Stimme, richtete sie an das versammelte Volk und fragte: “Bezeugt Ihr den freien Bund dieser Eheleute?“ Das anschliessende “Ja!“ der versammelten Menge war wie ein Kanonenschlag. Befreiend platzte die Anspannung mit dem verbürgten Ritus und ein Jubeln und Johlen wurde daraus. Endlich konnte Camea ihrem hemmungslosen Kichern nachkommen, als man sie und Martainn von dem Podest hob und in Richtung ihres Hauses trug. Und während sie lachte und sich freute, konnte sie die Feuer sehen. Zu zweit waren sie. Arrin und sein Erstgeborener, Aidan. Selbst zu dieser Feier trugen sie beide Waidmannkluft, wenn auch sehr fein gearbeitete, so dass sie diesem Anlass durchaus gerecht wurde. Hinter dem Podest standen sie, die Bögen in ihren Händen und vor lagen Pfeile, nach denen sie griffen, um die präparierten Spitzen in eine Feuerschale zu halten, ehe sie den Pfeil auf die Sehne legten und in die Luft schossen. Aufgeschichtete Holzstapel, höher noch als die beiden Männer zusammen, waren das Ziel und keiner der Pfeile verfehlte es. Der erste Stapel begann zu brennen, der zweite und dann der dritte und sogleich machten sich die alten Frauen daran, den hochsteigenden Rauch zu deuten, denn traditionsgemäß lag in ihm die Zukunft des Brautpaares.

 

Feuer zur Deutung

Hochzeitstag Teil II

Montag, Januar 28th, 2008

Und imposant war der Einzug des Bräutigams und der Männer, die ihn begleiteten. Ihr Gesang hallte über die Schlucht, noch ehe der Erste von ihnen zu sehen war und schon bald stimmten die Feiernden Parlussan‘s mit ein. Man hatte Camea wohl angemerkt, dass das erklingen des Gesanges sie beinahe dazu bewogen hätte, sich aus dem Staub zu machen, ihre verheirateten Freundinnen jedoch, allen voran Marina, hatten ihr zugeprostet und mit bestem Beerenbrand wurde die Aufregung schließlich bekämpft. Ein Podest hatte man gebaut, mit Blumen und Herbstblättern geschmückt, von Efeuranken eingerahmt. Mit klopfendem Herzen raffte Camea ihre Röcke und stieg die Treppe empor, geführt von ihrem Vater, welcher sie dem bereits schon wartenden Martainn übergab. Ein ernster Blick, den Brautvater und Bräutigam tauschten, er gehörte zur Tradition, ebenso wie das Grinsen, das darauf folgte. Und Martainn‘s Mutter, Lianra, sie fasste Camea an den Händen und ließ sie sanft lächelnd wissen, dass sie ihrem Gemahl nur viele Kinder schenken müsse, dann werde die Ehe eine glückliche und eine lange. “Er wird mit dem Kinder machen zu beschäftigt sein, um noch an anderes denken zu können.“ warf irgend jemand ein und frohes Gelächter war die Antwort darauf.
Der Abgesandte des Herzoges, welcher gleichermaßen der Verwalter der Sippenverzeichnisse war, begann mit der Zeremonie. Und Camea war nicht die Einzige, welche mitunter Unglauben empfand, denn irgendwie war es absurd, was hier geschehen würde. Sie würde heiraten.

 

Ringe

Hochzeitstag Teil I

Montag, Januar 28th, 2008

Als wüsste das Wetter darum, welcher Tag heute war, zeigte es sich von seiner besten Seite. Goldene Strahlen erhellten den Tag und ließen das Rot, Gelb und Braun des Mischwaldes, welcher Parlussan einrahmte, erstrahlen. Herbstblumengirlanden waren um die Seilgeländer der Hängebrücken gewunden worden und die ganze Siedlung hatte sich daran beteiligt, für das Fest zu kochen und zu backen. Weinfässer wurden aufgeschlagen, Met wurde erwärmt und über einem großen Feuer brutzelte ein Ochse. Eine Woche lang hatte man das Brautpaar getrennt. Aber auch viele andere Paare hatten diese Zeit der Trennung durchlebt und so war dieses Fest nicht zuletzt auch von sehr viel Wiedersehensfreude geprägt. Die Verwandtschaft Camea‘s und auch Donngal‘s Sippe war zugegen, alleine diese beiden Familien hätten gereicht, um ein großes Dorf zu bevölkern. Aber nicht nur Verwandte waren zu diesem Fest gekommen, sondern auch Freunde und Bekannte, Gesichter, die man lange nicht gesehen hatte und Menschen, mit denen man es jeden Tag zu tun hatte. Es schien, als hätte sich das gesamte Herzogtum versammelt und überall wurde gelacht und gefeiert und gespannt auf den Höhepunkt des Tages gewartet. Schön war er gewesen, der Einzug der Braut und ihrem Hochzeitsgefolge. Die Frauen hatten gesungen und Kinder hatten Blumen gestreut und die Braut schien an diesem Tag güldener zu Strahlen, als die Sonne. Eine prachtvolle Braut war sie, darin waren alle sich einig und nicht wenige Junggesellen beneideten den Totengräber um das Glück, Camea bald sein angetrautes Weib nennen zu dürfen.

 

Die Braut

Erinnerungen an den Bogenschützen

Montag, Januar 28th, 2008

Sehnsucht nach der Vergangenheit

 

An einem grauen Herbstmorgen erinnerte sie sich wieder an das Gefühl, in seinen Armen zu liegen und auf einmal wurde ihr kalt. ”Ja.” war ihr letztes Wort an ihn gewesen. ”Wars das?” seine letzte Frage an sie. Nur ein einziges Mal noch hatten sie miteinander gesprochen, damals als er sie wissen liess, dass er ihren gemeinsamen Sohn anerkennen würde. Und das lag inzwischen neunzehn Jahre zurück. Neunzehn Jahre. Unglaublich, dass sie sich noch an seine Stimme erinnerte und auch an seinen Blick. Und daran, wie sehr sie ihn geliebt hatte. Gleichmässiger Atem erklang neben ihr. Ihr Gemahl schlief tief und fest, ahnte nicht, wie sehr sie um die Vergangenheit trauerte, die sie mit einem anderen teilte. Ein Jahr nur war es gewesen, dafür ein intensives, eines, das sie selbst heute noch nicht los liess. Irgendwann einmal, da hatte sie Aidan geschrieben, den Brief dann aber zerrissen, statt ihn in die Hand eines Boten zu geben. Die Zeit verging zu schnell. Ihr gemeinsamer Sohn hatte inzwischen selbst eine Familie und dass es Aidan’s Sohn war, war nicht zu übersehen. Ihr Gemahl hatte von Anfang an gewusst, dass es nicht sein leiblicher Sohn war und dennoch hatte er ihn großgezogen, wie seinen eigenen. Aber manchmal liess sich die wahre Herkunft eben nicht leugnen und an manchen Tagen tat es weh, dass Baetan seinem Vater so ähnlich war. Ihre Bettdecke raschelte, als sie sich aufsetzte. Es war ohnehin bald Zeit, um das Frühstück vorzubereiten. Mit einem seltsamen Gefühl im Magen dachte sie daran, dass Martainn in einer Woche heiraten würde und dort, auf dieser Hochzeit, würde sie Aidan wieder sehen. Ob er inzwischen von Sevin wusste? Camea hatte es ihm sicherlich erzählt.

Der Bogenschütze

Montag, Januar 28th, 2008

Sie hatte nicht nur einen Kuss verloren, sondern auch ihr Herz. Das Bogenschützenturnier hatte er gewonnen und wie es der Brauch war, gab er ihr das Taschentuch wieder zurück, im Austausch gegen sein Preisgeld. Gegen einen Kuss, der ihrem Empfinden nach viel zu kurz gewesen war.

 

Der Kuss war viel zu kurz

 

Nun aber fand sie ihn einfach nicht wieder, die Masse an Feiernden war einfach zu gross. Und zu feiern gab es viel, schließlich fand das Bogenschützenturnier zu Ehren der Hochzeit eines der Söhne des Herzoges statt. Fast schon begann sie zu trauern. Darum, dass ihr Bogenschütze gegangen sein musste, aber gerade, als sie die Suche schweren Herzens aufgeben wollte, sah sie ihn. Er hatte sie gefunden. War das nicht verrückt? Sie hatte ihn gesucht und er hatte sie gefunden. Denn er hatte auch nach ihr gesucht, das liess er sie wissen, während er ihr einen Becher mit Wein überreichte. Wie wenige Augenblicke kam es ihr vor und dennoch stellte sie irgendwann fest, dass sie sich schon seit Stunden mit ihm unterhalten hatte. Sie wusste es, weil das Feuerwerk den Himmel erhellte, das den Zenit der Nacht ankündigte und den Augenblick, in welchem das Brautpaar in die Hochzeitskammer gebracht wurde. Schweigend betrachtete sie den Saum ihres Kleidärmels. Ob sie jemals heiraten würde? Und dann fiel ihr die Frage wieder ein, die sie Aidan stellen wollte.