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Auf dem Weg nach Matanzas Teil III

September 1st, 2008

“Stich zu, wenn du kannst.“

Verdutzt sah sie auf das Messer und glaubte, nicht richtig gehört zu haben. Hiess das, dass er ihr also wirklich vertraute? Vielleicht war auch alles andere, was er zu ihr gesagt hatte wahr. Es wäre so leicht, zuzustechen. Der Captain stand nur knapp einen Schritt von ihr entfernt und sie hatte seinen Rücken vor sich.

“Arh! Was soll das denn jetzt schon wieder?“

„Na komm, stich zu, wenn das die Lösung deines Problems bedeutet. Oder bist du ein Feigling?”

Hörte sie da Spott aus seinen Worten? Es wäre so leicht, und trotzdem dachte sie nicht einmal einen kurzen Moment ernsthaft daran und warf ihm das Messer vor die Füsse.

“Du bist der grösste Idiot, der mir je über den Weg gelaufen ist!“

„Ich weiss. Und du der grösste Feigling unter der Sonne.“

Mit diesen Worten wandte er sich ihr wieder zu und sah sie an.

“Ich ein Feigling? Du bist es doch, der sich unliebsame Probleme vom Hals schaffen will!“

Rhyan’s Gesichtsausdruck verdüsterte sich schlagartig und mit einem forschen Gesichtsausdruck fauchte er Gilberta an:

“JETZT hör mir mal gut zu! Zum einen solltest du vielleicht fragen, was genau ich vorhabe, bevor du mich verurteilst! Zum andern…..DU spielst doch mit MIR! Warum sollte ich das nicht auch tun dürfen? Es ist für dich doch eh alles nur Spass!“

Gilberta verabreichte Rhyan eine schallende Ohrfeige. Sein Kopf wich leicht zur Seite, dann sah er sie nur an – und schlug zurück. Erschrocken taumelte sie zurück und hob ihre Hand zu ihrer Wange hoch und sah den Captain dabei ungläubig an. Wieder schwieg er – und sah sie einfach nur an. Schliesslich liess sie ihre Hand wieder sinken und nickte einfach nur.

“Selbst im Kerker von Matanzas ist es leichter, als hier bei dir“

„Nein, Gil,“ erwiederte er leise, „DU bist es, die sich das Leben schwerer macht als es ist. Aber das Wichtigste im Leben siehst du nicht. Du bist einfach zu blind…..um zu sehen oder zu erkennen.“

Fast ein wenig nachdenklich rieb sie sich die brennende Wange an ihrer Schulter. Etwas kühler als gewollt fragte sie nach, warum er von allen Häfen ausgerechnet Matanzas ausgesucht hatte.

“Weil ich dort Ladung aufnehme.“

„Ich werde dort von Bord gehen.“

„Tu, was du nicht lassen kannst.“

“Soll ich wirklich?“

„Wenn du unbedingt willst.“

Mit diesen Worten trat sie an ihn heran und legte beide Hände auf seinen Hemdkragen, in dessen Stoff sie ihre Finger grub. Flüchtig hob sie den Kopf und küsste seine Lippen, bevor sie sich wieder von ihm abwandte und die Kajüte verliess.

Auf dem Weg nach Matanzas Teil II

August 25th, 2008

“Soweit ich weiss, ja.“ Jetzt erst schienen ihr die Augen aufzugehen. Der Captain wollte nach Matanzas, um dort das Lösegeld für sie einzustreichen – wie passend. Sie verfluchte ihn laut als einen Bastard und ballte zitternd die Fäuste. Er verriet sie, und das nach seinen Worten noch vor kurzer Zeit. Sicher, sie hatte ihn abgewiesen. Es war wohl falsch ihm zuzutrauen, dass er verstehen würde, dass sie das nur für ihn tat. Nur für ihn. Ohne weiter nachzudenken riss sie sich herum und entfernte sich von Hektor, ohne ihn aufzuklären, was eigentlich los war. Dieser sah ihr nur verwirrt nach und ging dann mit einem Achselzucken zurück an seine Arbeit. In ihren Gedanken schmiedete sie die grausamsten Worte zusammen, überlegte, dem Captain sämtliche Zähne rauszuschlagen. An seiner Kajüte angekommen, klopfte sie grob an. “GLEICH verdammt!“ Das Grummeln des Captains war nicht zu überhören, war ja klar, dass er wieder schlecht gelaunt war. Die Launen eines Weibes, dachte sie sich spöttisch. Schliesslich hörte sie von der anderen Seite der Tür ein „Was ist“ und trat energisch in den Raum ein, nicht ohne die Tür laut hinter sich zuzuwerfen. An eine Anmeldung dachte sie gar nicht erst. Sie liess sich auch keine Zeit, um Rhyan wütend anzuschnauben. “Matanzas also, ja?” Der Captain grinste leicht, was sie nur noch wütender machte.

Verwirrung und Verlangen

 

“Und?“

“Du willst also jemanden loswerden? Wie schnell du doch deine Worte vergessen hast…..Captain!

Dafür, dass er sie einfach nur schweigend ansah und ihr zuhörte hätte sie am liebsten in sein Gesicht geschlagen. “Falls du auch nur den Gedanken hegst, mich dort im Knast abzuliefern…..solltest du mir besser nicht mehr den Rücken zukehren oder noch einmal heimlich Viagra nehmen!“ Gilberta ertrug es nicht, dass er schwieg. Sie wollte, dass er ebenso laut wurde wie sie, wollte sich mit ihm streiten um sich dann endlich mit ihm zu versöhnen – ihr Körper schrie nach ihm und so seltsam es war, es irritierte sie nicht. Rhyan hingegen sah sie ausdruckslos an und drückte ihr ein Messer in die Hand, um sich dann von dir abzuwenden.

Auf dem Weg nach Matanzas Teil I

August 11th, 2008

Heimreise

 

Als Gilberta mit Hilfe des Matrosen, dessen Name sie nicht einmal kannte, endlich wieder die Planken des Decks unter ihren Füssen hatte, schnappte sie einen Gesprächsfetzen auf. Zwei andere Mannschaftsmitglieder standen in ihrer Nähe und redeten doch tatsächlich davon, dass die Le Tonnant den Hafen von Matanzas anlaufen würde – und, dass er da wohl jemanden loswerden wollen würde. Gilberta’s Herz begann zu rasen und fast hätte sie nicht geglaubt, was sie da gehört hatte. Ihre Übelkeit war schlagartig vergessen und wie von einer Biene gestochen suchte sie das halbe Schiff nach Hektor ab – und fand ihn dann vor der Kombüse. “Hektor….“ Sie musste Luft holen, ehe sie weiter sprechen konnte. Die Hetzerei über das Schiff forderte ihren Tribut. “Sagtest du nicht, der Kurs geht nach Schottland?“

„Mittlerweile nicht mehr. Wir haben den Kurs geändert – in Richtung Karibik.“

“In die Karibik!“ Gilberta stöhnte ungläubig auf. Ihre Hand glitt zu ihrer Stirn. Tausende Gedanken schossen ihr in den Kopf und sie wusste nicht, ob sie nun lachen oder weinen sollte. Ihre Mutter würde glauben, sie hätte einen Geist vor sich stehen, wenn sie Gilberta nach der langen Zeit endlich wiedersehen würde.

“Wo…..wohin genau?“

Hektor sah sie fast ein wenig besorgt an.

“Erst auf die Insel, dann nach Kuba. Kam ziemlich plötzlich, die Kursänderung. Aber was ich mitbekommen habe, will der Alte was in Matanzas laden lassen.“

Sie war völlig durcheinander. Kuba! Wie lange hatte sie den Boden ihrer Heimat schon nicht mehr betreten? Dabei hatte sie schon aufgehört daran zu glauben, dass sie in den nächsten Jahren je wieder in diese Gegend geraten würde. Aufgebracht wie sie war, hörte sie Hektor nicht richtig zu. Einzig das Wort „Matanzas“ drang schmerzlich in sie. “Matanzas also“ gab sie gepresst von sich.

Es darf nicht sein Teil III

Juli 28th, 2008

Die Krise im Süden Curanbars schien immer grössere Ausmasse anzunehmen, trotzdem geschah nichts und er bemerkte, wie sehr sich seine Hände nach den Griffen seiner Säbel sehnten. Flaccitheus setzte auf Diplomatie und Zeit, vergeudete das Leben von Fischern und Bauern, indem er immer wieder neue Gründe fand, nicht gegen das Fürstentum Sull vorzugehen. Er hatte das Denken seines Vaters schon lange abgelegt und im Gegensatz zum Vorsitzenden des Schattenrates sah er das einfache Volk als das Fundament eines Landes. Seines Landes. Oft genug hatte er sich gesagt, dass er das alles gar nicht anstrebe und nun wollte die Ruhe nicht mehr einkehren, die diese Selbstlüge sonst immer mit sich gebracht hatte. Es roch nach Krieg und selbst hier, weit von den betroffenen Grenzen entfernt, spürte er, wie sich etwas aufbaute. Ein Blick zur Seite streifte das Antlitz der jungen Preaken und während sie dies als Anlass dafür nahm, sich näher an ihn zu drängen und ihm abermals einen kleinen Kuss auf die Wange zu legen, kam er zum Schluss, dass es letztlich doch eine sinnvolle Entscheidung war, ihrer Verbindung mit Baglan zuzustimmen. In der Hoffnung des Ostwächters hatte es gelegen, durch eine Verbindung zwischen Lyessa und ihm die Hilfe des Hohen Nordens zu erzwingen. Das Neunstromland brachte zwar keine Königin hervor, dennoch, der Norden würde handeln und die Heimat seiner neuen Herrin beschützen. Nur würde es nicht der Schattenrat sein, welcher den Befehl dazu erteilte. Einen Schattenrat würde es noch nicht einmal mehr geben, wenn die Truppen gen Süden geführt wurden. Es drängte ihn zu gehen. Es drängte ihn zu handeln. Und trotz allem gab es als er sie zu sich zog um sie zu küssen nur das Wissen, dass es ihm tatsächlich fehlen würde, sie dabei zu beobachten, wie sie las.

 

Fernweh

Es darf nicht sein Teil II

Juli 14th, 2008

Ihrem leisen Seufzen jedoch schenkte er gerne Aufmerksamkeit und mit einem inneren Schmunzeln stellte er fest, dass sie nur deswegen noch einigermaßen sicher auf ihren Beinen stand, weil er sie noch immer fest hielt. Es war ein Fehler, für sie beide. Es war ihm so herzlich egal. Mit seinen Fingerspitzen strich er einzelne Strähnen ihres braunen Haares nach und kam ihrem Blick dabei entgegen, seine andere Hand löste sich nur widerwillig von ihrer Hüfte und ein Rascheln verriet ihm, dass der Stoff ihres Kleides wieder über ihre Beine fiel. Vermutlich berührte der Saum den trockenen Boden. Er hielt es gerne mit dem Schweigen, so auch auf dem Weg zurück. Dennoch, so lange sie keine der Wachen Rhiwallon Manors zu erwarten hatten, hielt er sie mit einem Arm um ihre Taille bei sich, als sie auch das letzte Stück des Weges zu Fuß gingen. So gut es ihm die Dunkelheit erlaubte sah er zu, wie sie die letzte Erdbeere aß und auch wenn er es nicht wirklich sehen konnte, er wusste, wie sie dabei aussah. Sie würde die Augen schließen, ein leichtes Lächeln würde auf ihren Lippen liegen und den Genuss dieser süßen Frucht, den würde sie so lange es nur ging ausreizen. Vor beinahe zwei Stunden hatte ihm genau dieser Anblick klar gemacht, dass ihre gemeinsame Nacht keine Ausnahme bleiben würde. So wie die Dinge lagen, war es sehr wahrscheinlich, dass er nicht bis zum Herbst auf Rhiwallon Manor blieb.

 

Erdbeeren - was für ein Genuß